Stricken - Therapie oder Sucht?

Inzwischen gibt es unzählige Frauen und sogar Männer die Stricken. Ich gehöre selbstverständlich auch zu dieser Gruppe, bin mir nur nicht ganz sicher, ob es sich bei mir um eine Sucht, eine Therapie oder ganz etwas anderes handelt.


Eins muss ich zugeben, wenn ich stricke, weiß ich dass ich etwas sinnvolles tue, und zugleich wirkt es auf mich beruhigend und zufriedenstellend. Also doch eher Therapie? So kann man z.B. einen Fernsehabend sinnvoll gestalten, da es sich bei einem Film gut nebenbei stricken lässt und man sich nicht nicht ärgern muss, wenn der Film doch nicht so berauschend war. Man hat ja in der Zeit etwas Sinnvolles und Kreatives getan. Sogar einen Megastau auf der Autobahn kann man mit Stricken überbrücken und hat eigentliche keine Zeit verloren, denn der ersehnte Pullover oder Schal ist wieder ein Stück länger geworden. Auch die Wartezeiten beim Arzt kann man auf diese Weise ertragen. Ich persönlich lese dort lieber.

Unter Sucht verstehe ich, dass man ohne das Suchtmittel nicht existieren kann und sogar Ausfallerscheinungen bekommt, wenn das Mittel nicht zur Verfügung steht. Das passiert bei mir nicht. Ich habe diesen Sommer einen drei-wöchigen Urlaub ohne Strickzeug problemlos, glücklich und zufrieden verbracht. Es gibt Wochenenden, an denen ich kein Strickzeug anfasse und lieber lese oder mit meinem Freund auf den Golfplatz gehe.


Gott sei Dank, ich habe wohl keine Sucht. Das könnte aber daran liegen, dass ich inzwischen das Stricken zu meinem Beruf gemacht habe. Wer möchte Tag und Nacht arbeiten, also nehme ich mir Auszeiten vom Stricken. Ich habe kürzlich ein Nebengewerbe angemeldet, mit dem ich Handarbeiten herstellen und verkaufen darf. Meine Strickergebnisse verkaufe ich dann bei DaWanda. Auch das Suchtmittel, die Wolle, darf ich verkaufen, das tue ich in meinem eigenen Online-Shop.

So viel zu meiner Person. Wie sieht es bei anderen aus? In USA und Großbritannien z.B. liegt das Stricken total im Trend. Ich habe kürzlich im Internet einen Artikel gefunden, dass in den USA sogar manche Ärzte schon das Stricken bei manchen Erkrankungen als Therapie verordnen. Na, das ist doch was. Das fällt sicher unter alternative Heilungsmethoden. Das finde ich Klasse, lieber Stricken als Tabletten schlucken. Leider greift man hierzulande lieber zur Tablette als zum Strickzeug. 

Weiterhin habe ich im Internet auch etwas zur Stricksucht gefunden. Auf der Webseite http://tichiro.net/?p=247 ist in einem Kommentar vom 3. Mai 2007 folgendes geschrieben:

Zitatanfang:
"Über eine mittlerweile weit verbreitete Form der Abhängigkeit ist jedoch bisher sehr wenig bekannt: Die Stricksucht, auch Wollomanie genannt. In erster Linie befällt sie Frauen, doch es wurden auch schon Fälle von betroffenen Männern berichtet.
Der Übergang vom bloßen Hobby zur Besessenheit ist hierbei fließend, daher ist eine Stricksucht nur schwer zu diagnostizieren. Symptomatisch ist vor allem der ständige und kaum zu bezähmende Drang, rund um die Uhr und in jeder Lebenslage zu stricken. Ob beim Zahnarzt, im Stau oder sogar im Kino – der Betroffene hängt ständig an der Nadel. Verwehrt man ihm das Stricken, wird der Wollomaniker nervös und gereizt, neigt sogar zu hysterischen Anfällen. .... Eine weitere Folge der Stricksucht ist das maßlose Horten von Wolle und Strickbüchern, was in machen Fällen katastrophale finanzielle Folgen hat.
Bisher hat es noch keine detaillierten Studien über die Verbreitung dieser Erkrankung gegeben. Eine Befragung ergab jedoch, dass 25% aller deutschen Frauen über 14 Jahre mindestens einmal im Monat stricken. Es ist anzunehmen, daß bei den meisten davon ein latentes Suchtpontetial vorhanden ist. Die tatsächliche Rate derjenigen, bei denen die Krankheit schon zum Ausbruch gekommen ist, kann nur geschätzt werden, die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen."
Zitatende


Soweit muss man es dann wirklich nicht kommen lassen, und ich denke das sind Ausnahmefälle. Es wird ja auch nicht jeder zum Alkoholiker, der jeden Abend ein Gläschen Wein zum Essen trinkt. Interessant wäre nun, wie man eine Wollomanie therapiert. Vielleicht mit Häkeln, Sticken, Basteln oder doch lieber mit Tabletten ;-) 
Zur Sucht im allgemeinen - man kann von vielen Dingen süchtig werden: Sport, Alkohol, Drogen und Nikotin, Internet und zuallerletzt auch noch vom Stricken. Es gibt sogar Golfsüchtige, aber nein, da spricht man vom Golfvirus, also eher eine Viruserkrankung ;-)

Fazit: 
In der Freizeit Stricken oder Häkeln, ab und zu ein Gläschen Wein trinken und zwei mal die Woche Sport treiben, das ist in meinen Augen sehr gesund und trägt für mich zur Lebensfreude und Zufriedenheit bei. Beim Stricken kann ich mich mit meinem Freund unterhalten, beim Lesen geht das nicht, beim Golfspielen auch nur sehr begrenzt.


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